




Am Gymnasium am Stadtgarten Saarlouis setzt man vielfältig auf die integrative Kraft des Advents.
Wer in diesen Tagen morgens um 7.30 Uhr am Gymnasium am Stadtgarten ankommt, wird beim Blick auf das Schulgebäude nicht nur eine Vielzahl von herbeiströmenden Schülerinnen und Schülern wahrnehmen, sondern an der Frontseite eine Phalanx von Fenstern, die hell erleuchtet den Zielort der fast tausend Mädchen und Jungen markieren. Diese Fenster sind groß und an sich schon einladend; in diesem Jahr kommt nun noch ein Blickpunkt dazu: Große, unterschiedlich bunte Fensterbilder verschiedenster Motive laden zum Betrachten und Staunen ein. Zwölf Klassen haben sich dazu entschieden, ihrer Schule in der Adventszeit zu einem besonderen Glanz und allen Mitgliedern der Schulgemeinschaft zu mehr Freude zu verhelfen. Diese, zumeist mit Tonkarton und Transparentpapier gestalteten Fensterbilder zeigen von den Klassikern der Adventszeit bis hin zu abstrakten Darstellungen die ganze Bandbreite der Kreativität der Lernenden – von Klasse 5 bis 12. Das Projekt ist inspiriert von der Idee der lebendigen Adventskalender bzw. Adventsfenster, wie sie in machen Gemeinden mittlerweile eingerichtet werden.
„Schule ist ein ungeheuer wichtiger Lebensraum, das wissen wir besonders seit Corona. Hier wird nicht nur gepaukt und geleistet, sondern vor allem auch gelebt und Gemeinschaft gelernt. Dass dieser Ort ein einladender und schöner Ort sein sollte, darf man sich, bei aller Funktionalität der Räume, wünschen. Und gerade in einer Zeit, die, von Krisen geschüttelt, vielen Jugendlichen Bauchschmerzen macht, und in der sie trotzdem unvermindert – oder am Jahresende ganz besonders viel – Leistung bringen sollen, scheint es uns notwendig, ein Gegengewicht zu setzen. Die Hoffnung auf das Gute in der Welt, den unerwarteten Neubeginn, die Sehnsucht nach friedvoller Gemeinschaft und authentischer Schönheit werden in der Adventszeit so deutlich artikuliert wie kaum sonst im Jahr - sie bietet hochintegrative und universelle Bilder wie den leuchtenden Stern, den immergrünen Baum, den Glanz in der armseligen Hütte… solche Schätze kann man mit den Schülern heben!“ So fasst es die Lehrkraft Frau Gries zusammen, die das diesjährige Gestaltungskonzept mit den zwölf Klassen angestoßen hat.
Und gemeinsam kann man diese „Schätze“ ins Bild bringen. Denn das ist der zweite Aspekt der einladenden Fensterbilder des SGS; Schülerinnen und Schüler wählen und erarbeiten die Motive selbst von „Hand zu Fuß“… mit Bleistift, Papiere und Schere. Haptisch … eben kein Handydaddeln, sondern analoges Arbeiten in der Gruppe. Absprachen und das respektvolle Miteinander zu üben stehen dabei im Vordergrund. Genauso wurde auch der Weihnachtsbaum zum ersten Dezember aufgestellt und geschmückt, eine Tradition, die das SGS bereits seit mehreren Jahren pflegt.
Zwischenzeitlich lassen sich ganze Schulklassen mit festlich eingepackten Paketen beobachten, die gen Lehrerparkplatz streben. Sie sind Teil einer Aktion, die die betreuende Lehrkraft Frau Kircher schon seit mehreren Jahren anleitet. Es geht darum, die Freude dieser besonderen Zeit im Jahr weiter zu schenken, besonders an jene, für die es keine so einfache und unbeschwerte Adventszeit gibt. So haben die Jungen und Mädchen über vier Wochen hinweg Pakete liebevoll zusammengestellt und verpackt; nun geht es zum Auto, denn die Lehrerin sorgt für den Weitertransport der Geschenke. Soziales Lernen wird hier großgeschrieben; die Pakete gehen an verschiedene Jugendhilfeeinrichtungensowie das Frauenhaus der Stadt. An andere zu denken, denen es weniger gut geht, also Solidarität zu lernen, wird als wichtiges Ziel jugendlichen Lernens verstanden, gerade in einer Zeit, die nicht selten die Ich-Zentrierung von Menschen mehr in den Mittelpunkt stellt als gemeinsames Erleben. Dass gemeinschaftliches Engagement aber gerade für eine Generation wichtig ist, die in der Coronazeit den Verlust des gemeinsamen Lernens als Verlust erlebt hat, lässt sich nicht leugnen. Zahlreiche Kinder haben Ängste entwickelt; es ist wichtig, positive Rituale im Alltag zuverlässig zu installieren.
Gemeinschaft erleben die Schülerinnen und Schüler der kleinen Klassen natürlich auch bei der Adventsfeier oder beim angebotenen Adventsgottesdienst am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien. Bis dahin können digitale Türchen im Adventskalender auf der Website der Schule geöffnet werden. Bei der Nikolausaktion verteilten die Oberstufenschüler bestellte Schokonikoläuse in allen Klassen und zogen singend und tanzend durch die Räume. Schließlich forderten die Schüler die Lehrer heraus - und so kam es, dass der diesjährige Weihnachtsbaum in der großen Pause mit Gesang und Musikinstrumenten von den Lehrkräften der Schule gelobt wurde, natürlich in allen Sprachen, die man am SGS lernen kann.
Den Lehrerinnen und Lehrern ist es wichtig, dass die gemeinsame Vision ebenso wie das gemeinschaftliche Handeln als Kraftquelle erlebbar werden, die es zu erschließen lohnt. Im Advent kann es zudem gelingen, den Umgang mit dieser schulisch anstrengenden und trubeligen Zeit durch ruhige und trotzdem kommunikative Tätigkeiten so zu gestalten, dass daraus Ressourcen für die Jugendlichen werden: Warten und Tun wechseln sich sinnstiftend ab, der gemeinsame Lernort wird ein wenig einladender und gute Wünsche schweben unausgesprochen im Schulgebäude. So kann der Jahreswechsel kommen.
Die Pakete werden zum Weihnachtsfest bereits übergeben, die Adventsfenster werden noch bis zum dritten Januarwochenende zu sehen sein.
T. Gries
Bilder: Dem Aufruf zur Dekoration der Fenster und des Eingangsbereichs unserer Schule sind viele Klassen gefolgt.
Vielen Dank für die tolle Dekoration!
KO